Pitz Alpine Glacier Trail

Dass in Zeiten von Corona neben den virtuellen Wettkämpfen auch noch reelle Wettbewerbe möglich sind, konnte Florian Brosch vom Team „Bad Orb – Gesund im Spessart“ des TV Bad Orb am letzten Wochenende im Pitztal/ Österreich live miterleben.

Nachdem auch für Brosch immer mehr Wettkämpfe abgesagt wurden, warteten die Organisatoren des Pitz Alpine Glacier Trailruns und arbeiteten an einem Hygienekonzept, das den Start der Veranstaltung unter strengen Auflagen ermöglichen sollte. Und tatsächlich kam sechs Wochen vor Veranstaltungsbeginn die Meldung, dass die Veranstaltung genehmigt wurde.

Der Pitz Alpine Glacier Trail (PAGT) besteht aus mehreren möglichen Distanzen im hochalpinen Traillauf. Im letzten Jahr hatten sich Katharina und Florian Brosch an die Einsteigerstrecke von 16 Kilometer und 800 Höhenmeter gewagt. Dieses Jahr sollte mit Hilfe einiger Vorbereitungstrailläufe für Florian Brosch die 64 Kilometer lange und mit 4200 Höhenmeter gespickte Strecke anstehen.

Die Vorbereitungswettkämpfe konnten nicht stattfinden, dafür wurden etliche Läufe im Spessart und Taunus unternommen sowie ein Wochenendtrip zum trainieren auf den Strecken im Pitztal absolviert, wobei die Anzahl der Höhenmeter und die technisch sehr anspruchsvolle Strecke inkl Gletscherquerung, zahlreicher Geröllfelder und seilversicherter Passagen im hiesigen Umfeld kaum zu trainieren waren.

Durch den vorherigen Urlaub konnte sich der Bad Orber Athlet etwas an die Höhe gewöhnen und ging mit viel Vorfreude und mindestens genau so viel Respekt an den Start, der aufgrund des Hygienekonzepts auf 23 Uhr, wodurch Brosch über die Hälfte der Strecke in Dunkelheit absolvieren sollte. Die Dunkelheit sollte aufgrund der vorgeschriebenen Pflichtausrüstung nicht problematisch sein, jedoch der ungewohnte Sport in der Nacht und die zu erwartende Müdigkeit. Zu der Pflichtausrüstung gehörten neben der Stirnlampe inklusive Ersatzakku/-batterie auch noch 1,5l Getränke, Wechsel- und Regenbekleidung, Erste-Hilfe-Set, Handy und die Grödel (Spikes zum anschnallen an die Schuhe).

Direkt nach dem Start ging es auf direktem Weg zum mit 3200 Metern höchsten Punkt der Strecke, wo nach erfolgreichem Anstieg die Gletscherquerung mit mitgeführten Grödeln wartete. Danach wartete ein anspruchsvoller Abstieg zum Startort Mandarfen, wo Brosch kurz unachtsam war und umknickte und im späteren Verlauf noch getapt wurde. Diesen Streckenabschnitt bewältigt, konnte Florian Brosch nach knapp drei Stunden erreichen und seine Grödel ablegen. 

Anschließend stand der längste Streckenabschnitt über das zweite sich im hinteren Pitztal befindliche Skigebiet Riffelsee bis zur anderen Seite der Gletscherzunge an. „Ab dem Riffelsee und über den kompletten Fuldaer Höhenweg bis zur Gletscherzunge bin ich ca. 2,5 Stunden komplett alleine unterwegs gewesen. Der Blick auf die sich zum Gletscher bewegenden weiß leuchtenden Stirnlampen bzw. roten Rücklicher, die langsam einsetzende Dämmerung sowie pünktlich beim Erreichen der Gletscherzunge das Abschalten der Stirnlampe war ein unbeschreibliches Erlebnis. Ich habe kurz angehalten und ein Foto in unsere Familiengruppe geschickt, ein toller Moment!“ 

Danach folgte der einzig nicht anspruchsvolle Teil, der die LäuferInnen durchs Taschachtal wiederum zum Startpunkt führte, wo eine weitere Verpflegungsstelle wartete. Gegen 6.45h ging es für Brosch auf den technisch anspruchsvollsten Teil, bei dem nach knapp 50km nochmal über 1000 Höhenmeter in praller Sonne sowie mehrere Geröllpassagen bergab warteten. „Hier hatte ich ein richtiges Tief und selbst das zügige Gehen bergauf, was bei diesem steilen Gelände angesagt war, war kaum möglich. Auf dem Kaunergrat angekommen bekam ich aber meine zweite Luft, die Bergwacht tapte meinen doch etwas schmerzenden und instabilen Fuß und ich konnte nach dem anspruchsvollen Abstieg die letzten 5km ins Ziel nochmal richtig Gas geben.“

Nach 11.35h konnte Brosch um 10.35h in Mandarfen ins Ziel laufen und belegte den vierten Gesamtplatz aller 80 Starter. „Der vierte Gesamtplatz macht mich natürlich glücklich, die Erlebnisse speziell bei Nacht und der Dämmerung werden aber viel länger in Erinnerung bleiben. Und ehrlicherweise spielen die drei sich vor mir platzierten Athleten aus dem Allgäu und Tirol in dem hochalpinen Gelände in einer ganz anderen Liga und waren mindestens 90 Minuten schneller unterwegs.“

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