Tirol, Frankfurt, Roth…

Ob halbe Ironman-Distanz bei der Challenge Tirol am Walchsee oder volle Ironman-Distanz bei den Europameisterschaften in Frankfurt oder der Challenge im Triathlon-Mekka Roth im Frankenland – einige Triathleten vom Team „Bad Orb – Gesund im Spessart“ des TV BAD ORB machten sich an den vergangenen beiden Wochenenden auf, um die langen „Distanzen“ ihrer Lieblingssportart Triathlon zu meistern. 

Den Anfang machte Phillip Huth, der beim Iroman in Frankfurt seine erste Langdistanz in Angriff zu nehmen. Bereits am frühen morgen stieg Huth in den Langener Waldsee, um die geforderten 3,8km im Wasser zu bewältigen. Nach 1:41 Stunden hatte er die Auftaktdisziplin hinter sich gebracht. Es sollte eine Hitzeschlacht par Exellence werden. 7:13 Stunden benötigte er für die 185km auf dem Rad. Aufgeben war für Huth jedoch keine Option. Denn er hatte noch eteas besonderes geplant im Ziel. Er erledigte den abschließenden Marathon in 4:44 Stunden, bevor er im Zielbereich vor seiner Freundin auf die Knie ging, um ihr einen „hart erkämpften“ Heiratsantrag zu machen. Bei der Hitze in Frankfurt kamen fast 1.000 Athleten nicht ins Ziel. Für Huth war das Finish oberste Priorität. Er hatte 14:10 Stunden Zeit auf der Rennstrecke verbracht, den Verlobungsring die ganze Zeit bei sich gehabt. Zeit genug, um sich die Sache genau zu überlegen. Er war sich seiner Sache sicher und überglücklich, Ironman und gleichzeitig frisch verlobt zu sein. 

Nicht ganz so romantisch, dafür ebenso von der Hitze geplagt, standen Michael Lik, Adi Kohr und Jürgen Metzler bei der Challenge Tirol in Walchsee an der Startlinie der über die halbe Ironman-Distanz ausgetragenen Herausforderung. Es galt 1,9km Schwimmen, 90km Radfahren und 21,1km Laufen hinter sich zu bringen. Allein die Hitze sollte zum entscheidenden Faktor an diesem Tag werden. Nie wurden höhere Temperaturen in Österreich gemessen. Und so machten sich Kohr und Metzler – zwar alte Hasen im Triathlongeschäft und Finisher etlicher Mittel- und Langdistanzen – auf den Weg, neue Seiten ihres Sports zu entdecken. Das jährliche Duell der beiden Führungsköpfe der Orber Triathlonabteilung in Österreich sollte in diesem Jahr die inneren Schweinehunde und körperlichen Kräfte auf eine besondere Probe stellen. 

Michael Lik stand erstmals im Feld der Profis an der Startlinie und hatte sich – immerhin amtierender Hessenmeister über die halbe Ironman-Distanz – viel vorgenommen. Seine Mühe sollte belohnt werden. Dennoch hatte auch er – vor allem auf der Laufstrecke – seine Last, die sich gesteckten Ziele zu erreichen. Genauso schwer erging es Kohr und Metzler. Und das, obwohl – motiviert wie immer – Kohr bei der Auftaktdisziplin gleich drei Minuten vor Metzler dem Walchsee entstieg. Dieser Vorsprung schrumpfte nach den 90km Radfahren auf eine Minute. Nach bereits 500m auf der Laufstrecke hatte Metzler Kohr eingefangen. Doch bereits auf der ersten der vier zu bewältigenden Runden um den Walchsee machten beide eine besondere Erfahrung. Ein Halbmarathon bei 38 Grad in der glühenden Mittagshitze ist kein Spaziergang. So erging es auch Lik, der Metzler kurz bevor er bereits ins Ziel einbog, Tipps gab, um der Hitze zu widerstehen. Lik schloss den Wettkpampf in starken 4:30 Stunden ab und landete auf einem hervorragenden 14 Gesamtplatz aller fast 1000 Starter. „Es war brutal hart beim Laufen. Zum ersten Mal in meiner Karriere dachte ich auf der ersten Laufrunde, ich schaff das heute nicht. Doch dann kühlte ich mich an jeder Verpflegungsstation und irgendwie ging es weiter und ich hab es gut zu Ende gebracht“, so Lik nach dem Wettkampf. 

Die sonst so gut trainerten Orber Kohr und Metzler verbrachten deutlich mehr Zeit auf der Laufstrecke wie in den vergangenen 10 Jahren. Beide, eigentlich Garanten für Endzeiten unter 5 Stunden, mussten zuerst ihr Duell und dann ihre Ambition unter 5 Stunden zu finishen in den Wind schreiben, um final den Plan umzusetzen, um den es beim Triathlon geht, „zu finishen“. Metzler erlebte seine langsamste Mitteldistanz seiner Karriere. In 5:21 Stunden erreichte er das Ziel auf Gesamtplatz 169 als 24. in seiner Alterklasse M40. Kohr erlebte einen noch härteren Kampf in der Tiroler Hitze und finishte auf Gesamtplatz 358 nach 5:58 Stunden als 54. in seiner Altersklasse. Von den fast 1000 an den Start gegangenen Sportlern sollten nur 510 das Ziel erreichen. Allein diese Zahl macht deutlich, wie heftig die Hitze die sportliche Leistung beeinflusste oder gar ganz verhinderte. „Es war ein Sieg über sich selbst. Hart und an der Grenze des Machbaren, aber hinterher fühlt sich sogar die langsamste Mitteldistanz meines Lebens wie ein großer Sieg an“, so Metzler völlig entkräftet, aber glücklich um Ziel. Für die mittlerweile fast 20 mitgereisten Kurstädter ist der Walchsee immer eine Reise wert. Sandra Metzler, Ligastarterin des TV Bad Orb und frisch gebackene Mama, feierte beim neben dem Haupftwettkampf ausgetragenen 5km-Lauf gemeinsam mit ihrer Schwester die Rückkehr in den Wettkampfsport. Und alle anderen feuerten im Stimmungsnest am See alle „halben Iron-Männer“ den ganzen Tag an und kommen alles liebend gern im kommenden Jahr wieder.

Eine Woche später und bei besten äußeren Bedingungen gingen die Regionalligastarter des Teams „Bad Orb – Gesund im Spessart“, Georg Abel und Alexander Wallrath, im Trithlon-Mekka bei der Challenge Roth über die volle Ironman-Distanz an den Start. Abel, im Jahr 2017 bereits bei der Ironman-WM auf Hawaii am Start gewesen und mit einer sensationellen Zeit von 9:52 Stunden auf der Pazifik-Insel ausgestattet, hatte im Frühjahr keine optimale Vorbereitung und war sich nicht sicher, für was es auf der schnellen Strecke im Frankenland reichen würde. Für Wallrath sollte es der erste Wettkampf über die Ironman-Strecke werden. 

Beide machten ihre Sache sehr ordentlich. Abel kam nach 9:46 Stunden als 277. Sportler gesamt und 35. in seiner Alterklasse im Triathlonstadion in Roth an. Wallrath folgte kurz darauf nach 9:55 Stunden. Mehr als 3.500 Einzelstarter machten die Challenge Roth wieder zu einem Triathlonfest der besonderen Art. Die beiden Orber Athleten gehörten dazu. 

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